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Date: Thu, 23 Mar 1995 17:14:48 +0100
To: brainhard@etoy.atnet.co.at
From: kubli@etoy.atnet.co.at
Subject: Senna and all the others

Don't forget, the season starts up.
SUNDAY 18.00 CET

und hier noch ein wenig Literatur: (weil es immer wieder schoen ist)

THE SHOW MUST GO ON

Seit dem 1. Mai 1994 ist Ayrton Senna tot. Mit uber 300 km/h in eine
Betonmauer gedonnert, der Schadel und samtliche ubrigen Knochen
zerschmettert. Nicht besser erging es auch dem Oesterreicher Roland
Ratzenberger, welcher wie Senna, sein Leben einen Tag vorher in Imola
aushauchte. Diese Unfalle sind traurig und sie beruhren uns alle,doch sind
sie die naturlichen Konsequenzen des Rennsports. Ratzenberger und Senna
sind tot, damit mussen wir leben konnen, ohne uns jetzt mit dummen,
moralinschwangeren Sicherheitsforderungen zu belugen.
Seit dem letzten todlichen Unfall im Formel-1-Sport sind 8 Jahre vergangen.
Damals raste Elio de Angelis in Le Castellet in den Tod. allein diese
Zeitspanne beweist, dass die Konigsklasse im Motorsport ein, den
Verhaltnissen entsprechend, sicheres Unterfangen ist. Im weiteren muss
jeder Rennsportzuschauer, der uber ein Minimum an Ehrlichkeit verfugt,
zugeben, dass das Risiko von Unfallen und vor allem auch die Unfalle an
sich, einen nicht unwesentlichen Teil der Spannung und Attraktivitat
ausmachen, welche ein Formel-1-Rennen bietet.
Endlich ist all der elektronische Firlefanz abgeschafft, endlich macht die
Formel 1 wieder Spass, und schon fordern irgendwelche Querulanten
Geschwindigkeitsbeschrankungen und andere Schikanen. Stellen Sie sich
einmal vor: Grand-Prix von Imola; erlaubte Hochstgeschwindigkeit 120 km/h,
obligatorischer Fahrer-Airbag und womoglich sogar noch ein Ueberholverbot.
Wurden Sie sich so etwas noch anschauen? Sicher nicht, ich auch nicht und
auch niemand anders. Ich bin mir sicher, dass weder Ayrton Senna noch
Roland Ratzenberger solche Massnahmen wunschten, wurden sie noch leben.
Formel-1 mit Tempo-Limiten oder anderen unsinnigen Vorschriften kame einem
Fussballspiel ohne Ball gleich und ware nicht nur ein absoluter Widersinn,
sondern auch ausserst dumm.
Es werden auch, allerorts Stimmen laut, welche behaupten, man hatte das
Rennen spatestens nach Sennas Crash abbrechen mussen. Auch das ist ein
absoluter Nonsens, denn dadurch ware weder Ratzenberger noch Senna wieder
lebendig geworden, sondern nur das Publikum, welches weltweit auf etwa 500
Millionen geschatzt wird, enttauscht,und das hatte wohl, ausser den Damen
und Herren Motorsport-Gegnern, niemandem etwas gebracht. 
Senna sei auf der Stelle tot gewesen und hatte daher mit dem Leichenwagen
und nicht mit dem Rettungshubschrauber abgeholt werden mussen, das sei
unmoralisch, schreien irgendwelche pseudointellektuellen
Schema-Journalisten, welche vom Motorsport ungefahr soviel Ahnung haben wie
ein Panda-Bar von Kernphysik (Nein, ich habe nichts gegen Pandas, ganz im
Gegenteil, ich finde sie ausserst suss!). Angenommen Senna sei schon auf
der Piste verstorben, was zum jetztigen Zeitpunkt niemand mehr beweisen
kann, ware er mit einem Leichenwagen abtransportiert worden, so ware sofort
die Staatsanwaltschaft auf der Rennbahn gewesen, obwohl die dort uberhaupt
nichts verloren hat, und das Rennen hatte abgebrochen werden mussen. Das
ware, meiner Meinung nach, niemandem zuzumuten gewesen. Der zweite Grund,
der den Leichenwagen auf der Piste unmoglich macht,ist das dramaturgische
Element. Auch die Spannung, ob ein Fahrer noch lebt oder nicht gehort zum
Rennsport.
Senna ist tot, die Welt weint, und der brasilianische Staat erteilt diesem
Mann, diesem Gott des Motorsports, die Ehre, die ihm gebuhrt. Jeder
Pseudo-Ethik-Moralapostel, welcher mehr Sicherheit in der Formel-1 fordert,
verletzt Sennas Wurde, denn Ayrton Senna hatte das nicht gefordert. Er war
Rennfahrer, der beste aller Zeiten, und er kannte die Risiken, welche sein
Beruf birgt. Also schweigt, Ignoranten. Man kann und soll kein Auto bauen,
das 500 Kilogramm, 350 km/h schnell und absolut sicher ist. Die Formel 1
ist der Kampf von wahren Mannern, welche, zusammen mit ihren Autos, um
Hundertstel-Sekunden kampfen und dem Schicksal die Stirn bieten.
Auch die Christen, welche im Kolosseum in Rom gegen Loewen antraten, trugen
keine Sicherheitsgurten.

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